Einzeltitel

 

Geiger_Wahrheit

Theodor Geiger
Ideologie und Wahrheit

Eine soziologische Kritik des Denkens

192 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Format 13,5 x 21,5 cm
Euro 32,00 [D]
ISBN 978-3-96662-582-1

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Der bekannte Soziologe mit einem seiner Hauptwerke, heute so aktuell wie in den 50er Jahren


Zum Text

Bis auf den heutigen Tag ist das Wort Ideologie im Sprachgebrauch der politischen Rednertribüne und Zeitungsschreiber eine magische Formel zur Entwertung gegnerischer Behauptungen. Was man selber vorbringt, sind Feststellungen und Wahrheiten, was der Gegner sagt, sind »bloße Ideologien«. Die angeprangerte »Abweichung von der Wirklichkeit« mag dann bald als glatte Lüge verstanden sein, bald als Verhüllung der Wahrheit, als Rationalisierung von Willenszielen, als gutgläubige Verblendung. Schon dadurch ist der Ideologiebegriff zu so vielfarbig schillernder Unbestimmtheit verurteilt, daß er heute ohne vorherige Revision wissenschaftlich nicht zu gebrauchen ist. Schlimmer noch! –: als »der Wirklichkeit« entgegengesetzt nimmt der Ideologiebegriff verschiedene, ja geradezu einander widersprechende Bedeutungen an, abhängig davon, was der Sprecher unter »Wirklichkeit« versteht. Was man vernünftigerweise darunter verstehen kann, wird nachmals eingehend zu prüfen sein. An gegenwärtiger Stelle ist nur darauf hinzuweisen, daß der Wirklichkeitsbegriff selbst zu sehr umstritten ist, als daß die Ideologie durch ihre »Abweichung von der Wirklichkeit« zureichend bestimmt sein könnte. [Der Autor im ersten Kapitel]

Der Text des Neusatzes folgt der Ausgabe von 1953, erschienen im Humboldt Verlag, Wien. Die alte deutsche Rechtschreibung wurde beibehalten.

Der Autor

Geiger

Theodor Geiger (1891-1952), dänischer Soziologe deutscher Herkunft. Geiger wird zu den Klassikern der Soziologie gezählt. Geiger wuchs in Landshut auf, wo er auch sein Abitur ablegte. Ab 1910 studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in München, später in Würzburg. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Freiwilliger teil und war von August 1914 bis Dezember 1918 Soldat. Während des Krieges arbeitete er an einer juristischen Dissertation zum Thema Strafvollzug. Noch als Soldat wurde er 1918 von der Universität Würzburg zum Doktor der Rechtswissenschaft promoviert. Anschließend arbeitete er bis 1920 als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Statistischen Landesamt in München, danach verlegte er seinen Wohnsitz nach Berlin, wo er Mitglied der SPD wurde. Er arbeitete an der damals neuen Volkshochschule von Groß-Berlin, wo er später als Dozent und ab 1924 als Geschäftsführer wirkte. Geiger lehrte ab 1924 an der Technischen Hochschule Braunschweig, 1929 wurde er dort ordentlicher Professor der Soziologie, zu jener Zeit die erste sozialwissenschaftliche Professur dieser Hochschule. Bahnbrechend wurden Geigers Studien zur sozialen Schichtung der späten Weimarer Republik. Nach der Machtübergabe an Hitler emigrierte Geiger und kam so der staatlich angeordneten Entlassung zuvor. Bis 1943 lebte er in Dänemark und nahm die dänische Staatsbürgerschaft an. Geiger sprach Dänisch, Englisch, Französisch, Norwegisch und Schwedisch. Seine akademische Karriere in Dänemark wurde von der Rockefeller Foundation gefördert. Er arbeitete zunächst an der Universität Kopenhagen. Von 1938 bis 1940 lehrte er als Professor an der Universität Aarhus Soziologie. Nach der deutschen Besatzung Dänemarks befand sich Geiger wieder auf der Flucht, ab 1943 lebte er im neutralen Schweden. Er hielt Gastvorlesungen an den Universitäten von Stockholm, Uppsala und Lund. Nach Kriegsende kehrte Theodor Geiger umgehend nach Aarhus zurück und führte seine Lehrtätigkeit weiter. 1949 war er Mitbegründer der »International Sociological Association« (ISA). Seit 1949 war er korrespondierendes Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft. In den Jahren 1951 und 1952 hielt er Gastvorlesungen in Toronto, um dort das Fach Soziologie einzurichten. Auf dem Rückweg nach Dänemark verstarb er auf See. Geigers Schriften befinden sich heute im Theodor Geiger Archiv der TU Braunschweig.

Inhalt

I Überblick über die Lehrmeinungen
II Ideologie und Lüge
III Die »Wirklichkeit«
IV Das Werturteil – eine ideologische Aussage
V Para-theoretische Aussagen
VI Ursprungsschichten der Ideologie
VII Frage-Antrieb und Aussage-Steuerung
VIII Wahrnehmung und Logik
IX »Ideologie« – ein Makel der Erkenntnis
X Zweierlei Ideologiekritik

 

 


 

 

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