
John Reed
Zehn Tage, die die Welt erschütterten
Mit einem Vorwort von Egon Erwin Kisch
Übersetzung von Willi Schulz
392 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Mit 11 Abbildungen
Format: 13,5 × 20,5 cm
Euro 39,80 [D]
ISBN 978-3-96662-559-3
LIEFERBAR
Die New York Times wählte das Buch 1999 auf Platz 7 der hundert bedeutendsten journalistischen Werke.
Zum Text
»Schon rein als Reporterleistung genommen ist John Reeds Arbeit bewundernswert: mitten in einer Woche, die seinen Kollegen als Episode der russischen Parteikämpfe, bestenfalls als wichtige Episode des an wichtigen Episoden überreichen Weltkrieges erscheint, weiß er, daß es die Tage sind, die die Welt erschüttern. John Reed, der Journalist, ist sich bewußt, diesmal vor dem Weltgericht Zeugnis ablegen zu müssen. So dokumentiert er jede Phase des Kampfes, sammelt Resolutionen, druckt Reden im Wortlaut ab, stellt Beschlüsse fest, nennt russische Namen, beschreibt Deputierte des Kongresses, gibt an, mit wieviel Stimmen Mehrheit irgendein Geschäftsordnungsantrag abgelehnt wird, all das, was einem anderen Journalisten langweilig oder überflüssig erschienen wäre, ihm aber, John Reed, ungeheuer wichtig ist, da er nicht zweifelt, daß es keineswegs bloß darum geht, wer in diesen Oktobertagen Sieger bleiben wird, sondern um die Entscheidung auf Jahrhunderte hinaus. Und hatten auch diese zehn Tage keine Entscheidung gebracht, die Tatsache, daß ein leidenschaftlicher Chronist in ihnen ihre Ewigkeitswirkung erblickte, mußte alle seine sachlichen Details, seine Notate von russischen Personen, Versammlungsentschließungen, Stimmenverhältnissen, Proklamationen, Örtlichkeiten vor jedem Stäubchen Langeweile bewahren, mußte das Interesse an allen Figuren wecken, ihnen den Glanz von Mitkämpfern leihen, und den Berichten den Wert sichern, klassischer Journalismus zu sein.« [Egon Erwin Kisch im Vorwort]
Der Text unseres Neusatzes folgt der erweiterten Ausgabe von 1927, erschienen im Verlag für Literatur und Politik, Wien - Berlin; er ist unverändert gegenüber der revidierten Nachkriegsausgabe, die 1957 in der DDR erschien.
Der Autor
John Reed (1887-1920), amerikanischer Journalist, arbeitete nach dem Abschluss seines Studiums in den Fächern Soziologie und Wirtschaftswissenschaften in Harvard (1910) ab 1913 bei Max Eastmans Zeitschrift »The Masses«. Er berichtete vom Streik der Seidenweber in Paterson (New Jersey) und wurde inhaftiert, als er versuchte, eine Rede für die Streikenden zu halten. Im Herbst 1913 schickte ihn das »Metropolitan Journal« nach Mexiko. Seine Berichte von der mexikanischen Revolution bedeuteten seinen Durchbruch als Journalist. 1914 war Reed als Kriegsberichterstatter im Ersten Weltkrieg. Lincoln Steffens ermutigte Reed und seine Frau Bryant als Korrespondenten nach Russland zu gehen. Sie reisten im August 1917 ab und kehrten Ende April 1918 zurück; dabei erlebten sie die Oktoberrevolution aus der Nähe mit. Reeds Buch »Zehn Tage, die die Welt erschütterten« wurde berühmt. Reed gehörte zu den am 30. August 1919 aus der Sozialistischen Partei Amerikas ausgeschlossenen Radikalen. Diese gründeten in der Folge zwei eigene Parteien. Reed war der erste Vorsitzende der »Kommunistischen Arbeiterpartei« und der Herausgeber ihrer Zeitschrift »The Voice of Labor«. Als Reed wegen Aufruhr angeklagt wurde, flüchtete er im Oktober 1919 mit einem gefälschten Pass über Norwegen, Schweden und Finnland nach Sowjetrussland, um dort bei der Komintern Unterstützung für seine CLP zu suchen. 1920 erneut in Russland, erkrankte er im September 1920 an Typhus und starb wenige Tage vor seinem 33. Geburtstag.
Der Autor des Vorworts
Egon Erwin Kisch (1885-1948) war ein österreichischer, später tschechoslowakischer Schriftsteller, Journalist und Reporter. Er gilt als einer der bedeutendsten Reporter in der Geschichte des Journalismus. Wegen seiner Nähe zum Kommunismus und seines teilweise freien Umgangs mit Fakten wurde er stets auch kritisch bewertet. Nach dem Titel eines seiner Reportagebände ist er als »der rasende Reporter« bekannt. Ausgehend von der intensivierten Wiederentdeckung der deutschsprachigen Exilautoren in der Bundesrepublik Deutschland und in Österreich entstand spätestens seit den 1990er Jahren auch zu Kischs Person ein differenzierteres Bild, das ihn als sozial engagierten Kosmopoliten zeigt - sozialisiert inmitten der kulturellen Vielfalt, der sozialen Konflikte und Widersprüche der Habsburgermonarchie, traumatisiert von den Schrecken des Ersten Weltkriegs, die seine Entwicklung zum engagierten Reporter und Internationalisten mitbedingt haben. Kisch selbst betrachtete sich spätestens ab den 1930er Jahren nach zahlreichen Reisen durch verschiedene Kontinente als »Weltbürger«. [Quelle Wikipedia]
Der Übersetzer
Willi Schulz (1886-1938), Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Schriftsetzer und trat 1905 der SPD bei. Er wurde Redakteur, gehörte im Krieg der Spartakusgruppe und seit 1919 der KPD an. In Berlin zeitweilig Redakteur der »Roten Fahne«, war er später an verschiedenen kommunistischen Bezirkszeitungen tätig. Schulz wurde 1932 als Redakteur zur Verlagsgenossenschaft ausländischer Arbeiter nach Moskau geschickt und war vorübergehend in der Komintern beschäftigt. Im März 1938 vom NKWD verhaftet, daraufhin sofort aus der KPD ausgeschlossen, Willi Schulz wurde noch 1938 in der Sowjetunion erschossen..
Der Autor zu seinem Buch
John Reed betont in seinem Vorwort (Januar 1919), daß er es den Lesern durch gewissenhafte journalistische Arbeit ermöglichen will, den Einzelheiten nachzuspüren, »was sich im November 1917 in Petrograd zutrug, welcher Geist die Menschen beseelte, wie ihre Führer aussahen, wie sie sprachen und wie sie handelten.« ReedsVorwort bietet eine kurze Einführung zur russischen Revolution in ihrem weltgeschichtlichen Zusammenhang. Das Buch erschien 1919 und wurde in der russischen Ausgabe von Stalin später wegen der angeblichen Sympathien für Leo Trotzki zensiert.Mit dem Buch wurde Reed weltbekannt.
Inhalt
Vowort: John Reed, ein Reporter auf der Barrikade
Vorwort des Autors
I. Hintergrund
II. Der heraufziehende Sturm
III. Am Vorabend
IV. Der Sturz der Provisorischen Regierung
V. Im Sturmschritt voran
VI. Das Komitee zur Rettung des Vaterlandes und der Revolution
VII. Die revolutionäre Front
VIII. Die Konterrevolution
IX. Sieg
X. Moskau
XI. Festigung der Macht
XII. Der Bauernkongreß
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