
Knut Hamsun
Neue Erde
Übersetzung aus dem Norwegischen
von Marie von Borch
340 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Mit 2 Abbildungen
Format: 13,5 × 20,5 cm
Euro 39,80 [D]
ISBN 978-3-96662-578-4
LIEFERBAR
Einer der stärksten Gesellschaftsromane des 20. Jahrhunderts
Zum Text
Die Sonne steigt höher. Die Straßen beginnen von Wagen und Menschen zu wimmeln; in kurzen Zwischenräumen ertönen jetzt Pfiffe von den Fabriken in den entlegenen Stadtgegenden, von den Eisenbahnstationen; der Verkehr wird größer und immer größer; geschäftige Menschen schwirren hierhin und dorthin; einzelne essen von ihrem Frühstück, das sie in Zeitungspapier gewickelt in der Hand halten. Ein Mann zieht auf einem Handwagen eine ganze Last von Paketen und Säcken; er liefert Waren in den Häusern ab; er hat sich vorgespannt wie ein Pferd und liest zugleich in seinem Notizbuch, in dem er alle seine Adressen hat. Ein Kind läuft ohne Ruh und Rast mit den Morgenzeitungen umher, ein kleines Mädchen, das den Veitstanz hat; es wirft den Körper nach allen Seiten, zuckt mit den Schultern, starrt, jagt von Tür zu Tür, zieht sich an den Treppengeländern in die hohen Etagen hinauf, läutet, läßt auf jeder Schwelle eine Zeitung liegen und eilt weiter. Ein Hund ist bei ihm, und wohldressiert macht der Hund jeden Weg mit. Der kleine Hund! [Textauszug]
»Denn seltsam ist, daß dies Buch trotz seines kämpferischen Geistes, trotz zahlreicher Invektiven zu einem vollen, reinen Kunstwerk wurde, ein Werk, das die ganze Straffheit der Epik, die Einheitlichkeit ohne Gleichen fand.« [Münchner Allgemeine Zeitung, 1910]
Der Text des Neusatzes folgt der Ausgabe von 1923, erschienen im Albert Langen Verlag, München. Die originale alte deutsche Rechtschreibung wurde beibehalten.
Zum Autor
Knut Hamsun (1859-1952) war einer der bedeutendsten norwegischen Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts und Hauptvertreter der modernen Literatur vom Übergang der Spätromantik und dem Naturalismus zur Klassischen Moderne. Der Sohn eines Dorfschneiders wuchs bei seinem Onkel auf und erfuhr dort eine bibelnahe, religiöse Bildung. Lebenspraktische Kenntnisse erwarb sich der Autodidakt bei unterschiedlichsten beruflichen Tätigkeiten, auf weiten Wanderungen durch Norwegen und später während längeren Aufenthalten in den Vereinigten Staaten von Amerika. 1890 erschien sein Roman »Hunger«, der ihn als Vertreter der Moderne in Norwegen bekannt machen sollte. 1892 wurde mit »Mysterien« der zweite große Roman des Autors veröffentlicht. Es folgten populäre Romane wie »Pan« und »Victoria«. 1920 erhielt er den Literaturnobelpreis für sein Werk »Segen der Erde«. Hamsuns Ruhm als Schriftsteller wird überschattet von seinem aktiven Eintreten für den Nationalsozialismus. Hamsun war ein großer Bewunderer Deutschlands und ein entschiedener Gegner des britischen Imperialismus und des Kommunismus. Entscheidend für Hamsuns antibritische Einstellung war das britische Vorgehen im Burenkrieg. Schon im Ersten Weltkrieg war er für die deutsche Position öffentlich eingetreten. Deutschland symbolisierte für Hamsun das »junge Europa«. Er blieb ein Freund Deutschlands bis zu seinem Tode. Zu seinen Verehrern gehörten Thomas Mann, Hermann Hesse, Robert Musil, Arthur Schnitzler, Jakob Wassermann, Stefan Zweig, Martin Buber, Arnold Schönberg und Alfred Einstein. Sie alle schrieben Beiträge zu der Festschrift, die zu Hamsuns 70. Geburtstag in Deutschland erschien.
Die Übersetzerin
Marie von Borch (1843-1895) entwickelte sich zu einer der wichtigsten Übersetzerinnen nordischer Literatur in Deutschland. Sie übersetzte einige Dramen von Henrik Ibsen, prägte den deutschen Titel Gespenster und wurde 1885 zu seiner deutschen Hauptübersetzerin. Auch weitere Schriftsteller wie Knut Hamsun schätzten ihre Arbeiten sehr. Sie übersetzte mehr als dreißig literarische Werke aus dem Schwedischen, Norwegischen, Dänischen und Englischen ins Deutsche. Einige von ihnen wurden zu Verkaufserfolgen und beförderten die große Resonanz auf skandinavische Literatur in dieser Zeit im deutschsprachigen Raum.
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