
Gerhart Hauptmann
Die Insel der großen Mutter
oder
Das Wunder von Île des Dames
Eine Geschichte aus dem utopischen Archipelagus
288 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Mit 1 Abbildung
Format: 13,5 × 20,5 cm
Euro 38,00 [D]
ISBN 978-3-96662-568-5
LIEFERBAR
Ein utopischer Roman zwischen Mystik und Robinsonade
Zum Text
Gerhart Hauptmann schrieb den Insel-Roman 1916 bis 1924 größtenteils auf der Insel Hiddensee. Inspiriert habe ihn nach eigenen Aussagen erstens Bachofens Mutterrecht, zweitens »die vielen schönen, oft ganz nackten Frauenkörper« auf seiner Insel Hiddensee sowie drittens die abermalige Lektüre von Daniel Defoes »Robinson Crusoe«. Der »Kormoran« sticht mit vielen hundert Menschen an Bord von Cuxhaven aus zu einer Weltumrundung in See. Nach achttausend Seemeilen Fahrt passiert es. Das stolze Schiff wird im äquatorialen Pazifik leck und geht unter. Die Männer an Bord haben allerdings vor ihrem Tod durch Ertrinken noch genügend Zeit, die Frauen, Kinder, Äxte, Taue, Nägel und Handwerkszeuge aller Art in Rettungsboote zu verfrachten. Außer den um die hundert Damen kann sich nur ein einziger »Mann«, der 12-jährige Phaon Stradmann auf die unbewohnte Tropeninsel retten. Phaons Mutter Rita Stradmann stirbt bald. Wohlschmeckendes Trinkwasser ist auf der Île des Dames ausreichend vorrätig. Das paradiesische Klima und die üppige Vegetation erlauben Überleben im Schatten unter der Tropenglut. Bananen und Durianfrüchte wachsen den Schiffbrüchigen geradezu in den Mund. An die Rückkehr nach Finstermannland wird nach anfänglichen Heulen und Zähneklappern bald kaum noch ein Gedanke verschwendet. Die 27-jährige Anglo-Holländerin Miss Laurence Hobbema avanciert zur Oberpriesterin eines matriarchalischen Kults, der mangels an Männern in so etwas wie der Heiligsprechung unbefleckter Empfängnis gipfelt.
Der Text des Neusatzes folgt der Ausgabe von 1924, erschienen im S. Fischer Verlag Berlin. Die originale alte deutsche Rechtschreibung wurde beibehalten.
Zum Autor
Gerhart Hauptmann (1862-1946) gilt als der bedeutendste deutsche Vertreter des Naturalismus, integrierte aber auch andere Stilrichtungen in sein Schaffen. 1912 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Ab 1874 besuchte er die Realschule in Breslau. Nach einem kurzen Intermezzo auf dem Gutshof seines Onkels besuchte er von 1880 bis 1882 die Bildhauerklasse der Königlichen Kunst- und Gewerbeschule in Breslau. Danach begann er ein Studium der Philosophie und Literaturgeschichte an der Universität Jena, das er jedoch bald abbrach. Danach unternahm er gemeinsam mit seinem Bruder Carl eine Mitelmeerreise. Er beschloß, sich in Rom als Bildhauer niederzulassen, hatte jedoch keinen Erfolg. Hauptmann kehrte enttäuscht nach Deutschland zurück und begann ein Zeichenstudium an der Königlichen Akademie Dresden, das er ebenso wenig abschloß wie ein anschließendes Geschichtsstudium an der Universität Berlin. Sein Interesse galt stattdessen dem Theater. In Zürich begann Hauptmanns naturalistisches Schaffen. Von dort aus schickte er das Manuskript seines ersten naturalistischen Werks Bahnwärter Thiel nach München, wo es der Kritiker Michael Georg Conrad begutachten sollte. Mit seinem 1889 uraufgeführten Drama »Vor Sonnenaufgang« sorgte er für einen der größten Skandale der deutschen Theatergeschichte. Das bürgerliche Publikum war schockiert, weil in Hauptmanns Stück Sexualität und Alkoholismus freimütig dargestellt wurden. Mit seinem wichtigsten Drama »Die Weber« (1891/92) erlangte Hauptmann Weltruhm und erreichte den Höhepunkt seiner naturalistischen Schaffensphase.
Zitate aus dem Text
»Gott weiß, durch welches Mißgeschick der »Kormoran« leck geworden und untergegangen war. Ja, war er überhaupt untergegangen? Er lag auf der Seite, und sein Hinterdeck wurde überspült, aber die Damen hatten ihn doch so lange gesehen, bis er als Punkt am Horizont verschwunden war. Das Unglück war bei schönstem Wetter und spiegelglatter See eingetreten. Man hatte zuerst Frauen und Kinder in die umfangreichsten Rettungsboote gebracht mit dem Gedanken, man könne sie von einer kleinen Dampfpinasse schleppen lassen. In aller Ruhe wurden Lebensmittel reichlich in die Boote verstaut, Äxte, Taue, Nägel und Handwerkszeuge aller Art, sogar Getreide, welches der »Kormoran« als Fracht führte. Alles dieses wurde von der neuen Machthaberin in Beschlag genommen.«
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