
Gerhart Hauptmann
Der Narr in Christo Emanuel Quint
512 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Mit 1 Abbildung
Format: 13,5 × 20,5 cm
Euro 48,00 [D]
ISBN 978-3-96662-566-1
LIEFERBAR
Der Roman versteht sich als Neuauflage der Passion Christi.
Zum Text
Der Wanderprediger Quint zieht in der Nachfolge Jesu durchs heimatliche Schlesien. Quint ist fest überzeugt, er sei sozusagen eine Reinkarnation Jesu. Über das Eulengebirge erreicht er Breslau. Verlacht und verachtet verlässt er die Heimat, wandert über Berlin, Frankfurt, Darmstadt, Heidelberg, Karlsruhe, Basel, Zürich, Luzern, Göschenen und Andermatt an einem Jahresende um 1890 gen Süden, kommt vom Wege ab, verirrt sich anscheinend oberhalb des Gotthardhospizes nahe beim Pizzo Centrale und kommt in der Bergeinsamkeit im winterlichen Schneegestöber um.
Der Text des Neusatzes folgt der Ausgabe von 1912, erschienen im S. Fischer Verlag Berlin. Die originale alte deutsche Rechtschreibung wurde beibehalten.
Zum Autor
Gerhart Hauptmann (1862-1946) gilt als der bedeutendste deutsche Vertreter des Naturalismus, integrierte aber auch andere Stilrichtungen in sein Schaffen. 1912 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Ab 1874 besuchte er die Realschule in Breslau. Nach einem kurzen Intermezzo auf dem Gutshof seines Onkels besuchte er von 1880 bis 1882 die Bildhauerklasse der Königlichen Kunst- und Gewerbeschule in Breslau. Danach begann er ein Studium der Philosophie und Literaturgeschichte an der Universität Jena, das er jedoch bald abbrach. Danach unternahm er gemeinsam mit seinem Bruder Carl eine Mitelmeerreise. Er beschloß, sich in Rom als Bildhauer niederzulassen, hatte jedoch keinen Erfolg. Hauptmann kehrte enttäuscht nach Deutschland zurück und begann ein Zeichenstudium an der Königlichen Akademie Dresden, das er ebenso wenig abschloß wie ein anschließendes Geschichtsstudium an der Universität Berlin. Sein Interesse galt stattdessen dem Theater. In Zürich begann Hauptmanns naturalistisches Schaffen. Von dort aus schickte er das Manuskript seines ersten naturalistischen Werks Bahnwärter Thiel nach München, wo es der Kritiker Michael Georg Conrad begutachten sollte. Mit seinem 1889 uraufgeführten Drama »Vor Sonnenaufgang« sorgte er für einen der größten Skandale der deutschen Theatergeschichte. Das bürgerliche Publikum war schockiert, weil in Hauptmanns Stück Sexualität und Alkoholismus freimütig dargestellt wurden. Mit seinem wichtigsten Drama »Die Weber« (1891/92) erlangte Hauptmann Weltruhm und erreichte den Höhepunkt seiner naturalistischen Schaffensphase.
Zitate aus dem Text
»Diese Worte, denen viele andere nachfolgten, ließen sogleich erkennen, daß man es mit einem Narren oder Halbnarren zu tun hatte, von einer so eigentümlichen Art, wie sie in dieser weitgedehnten Talgegend seit langem nicht vorgekommen war. Die guten Leute verwunderten sich. Aber als der einfältige und zerlumpte Mensch nicht aufhörte zu reden und seine Stimme mehr und mehr über den ganzen Marktplatz erschallen ließ, da entsetzten sich viele über den unerhörten Frevel des Landstreichers, der gleichsam das Heiligste in den Schmutz der Gasse zog, liefen aufs Amt und zeigten es an.«
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