Einzeltitel

 

Weiß, Der Verführer

Ernst Weiß
Der Verführer

524 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Mit 1 Abbildung
Format: 13,5 × 20,5 cm
Euro 48,00 [D]
ISBN 978-3-96662-387-2

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Wie der Protagonist des Romans mit der Vorgeschichte und den Folgen des Ersten Weltkriegs zur eigenen Identität findet.

 


Zum Text

»Mein ewiges Warum, mein niemals ganz gestilltes Wissensbedürfnis durfte ich nicht immer an ihm auslassen, denn er arbeitete schwer. Deshalb versuchte ich, mir viele Fragen, die mich bedrängten, selbst zu beantworten. Zu Gehorsam war ich nicht geneigt. Der ›Geist des Widerspruchs‹ hat mich schon früh besessen. Mich konnte niemand beherrschen, ich fügte mich zuerst nur aus Liebe, – und später nur aus Notwendigkeit. Selbst ein Kind begreift diese Notwendigkeit sehr gut. Meine Mutter machte sie mir in ihrer ruhigen, fast eisigen Art immer schnell klar. Konnte sie mich nicht von meinem Widerspruch abbringen, überließ sie mich den üblen Folgen meines Ungehorsams, oder sie brachte mich durch Ironie dazu, den Widerspruch bis zur Lächerlichkeit zu übertreiben. Bald fügte ich mich meiner besseren Erkenntnis, denn das Salz, das ich aus Widerspruch statt des Zuckers genommen hatte, schmeckte schlecht. Wenn ich aber etwas Erreichbares wollte, erlangte ich es fast immer, ich brauchte nicht lange zu bitten, sie konnten schon meinen Blicken schwer widerstehen.« [Textprobe]

Der Text des Neusatzes folgt der Ausgabe 1938, erschienen im Humanitas Verlag, Zürich. Die originale alte deutsche Rechtschreibung wurde beibehalten.

Zum Autor

Weiß

Ernst Weiß (1882-1940), österreichischer Arzt und Schriftsteller, stammte aus einer jüdischen Familie. Trotz finanzieller Probleme und mehrfacher Schulwechsel bestand Weiß 1902 erfolgreich die Matura (Abitur). Anschließend begann er in Prag und Wien Medizin zu studieren. Dieses Studium beendete er 1908 mit der Promotion in Brünn und arbeitete danach als Chirurg in Bern. 1911 kehrte Weiß nach Wien zurück und fand eine Anstellung im Wiedner Spital. Im Juni 1913 machte Weiß die Bekanntschaft von Franz Kafka. Dieser bestätigte ihn in seiner schriftstellerischen Tätigkeit, und Weiß debütierte noch im selben Jahr mit seinem Roman »Die Galeere«. Nach Kriegsende ließ er sich als Arzt in Prag nieder und wirkte dort in den Jahren 1919 und 1920 im Allgemeinen Krankenhaus. Nach einem kurzen Aufenthalt in München ließ sich Weiß Anfang 1921 in Berlin nieder. Dort arbeitete er als freier Schriftsteller. 1928 wurde Weiß vom Land Oberösterreich mit dem Adalbert-Stifter-Preis ausgezeichnet. Kurz nach dem Reichstagsbrand 1933 verließ er Berlin für immer und kehrte nach Prag zurück. Dort pflegte er seine Mutter bis zu deren Tod im Januar 1934. Vier Wochen später emigrierte Weiß nach Paris. Da er dort als Arzt keine Arbeitserlaubnis bekam, begann er für verschiedene Emigrantenzeitschriftenzu schreiben. Da er mit diesen Arbeiten seinen Lebensunterhalt nicht decken konnte, unterstützten ihn die Schriftsteller Thomas Mann und Stefan Zweig. Ernst Weiß letzter Roman »Der Augenzeuge« wurde 1939 geschrieben. Als Weiß im Juni 1940 den Einmarsch der deutschen Truppen in Paris miterleben mußte, beging er Selbstmord.

 

 


 

 

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