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Rudolf Maresch
Medien und Öffentlichkeit

Positionierungen – Symptome – Simulationsbrüche

400 Seiten, Broschur
Euro 29,00; SFr 52,50
ISBN 3-924963-69-X

 

Prominente Autoren diskutieren Themen,
aus den Bereichen Neue Medien,
Philosophie und Sozialwissenschaft


Kurzdarstellung

Vor nunmehr über 25 Jahren gab es in Teilen der Kritischen Linken im Hinblick auf die als »Herrschaftsmittel« identifizierten und denunzierten »Massenmedien« die Forderung nach Aufhebung der Trennung von Produzent und Produkt, nach aktiver Partizipation der Rezipienten, aber auch das Verlangen nach Wiederherstellung der Transparenz der Codes und des Gebrauchswertcharakters der Medien. Paradigmatisch für dieses Verlangen stand einmal die an B. Brecht und W. Benjamin anknüpfende Variante einer subversiven »Baukastentheorie der Medien« von H. M. Enzensberger; sodann der phantasievoll-neomarxistische Entwurf einer »(gegen)produktiven Gegenöffentlichkeit«, wie sie Negt/Kluge 1972 in Öffentlichkeit und Erfahrung entwarfen; schließlich das liberaldemokratische Konzept einer an Traditionen des 19. Jahrhunderts anknüpfenden »bürgerlichen Öffentlichkeitsbegriffs« von J. Habermas. Von diesen drei scheint allein der Wunsch nach Rückbindung der Medien an eine kritisch kontrollierende »normative Öffentlichkeit« (Habermas) im neu entdeckten und aus dem dissidenten Osten importierten Konzept einer »Zivilgesellschaft« übriggeblieben. Das gegenproduktive Konzept einer unterhalb der herrschenden Institutionen pulsierenden »anderen Öffentlichkeit« scheint in den »autonomen Öffentlichkeiten« aufgehoben, verwirklicht oder in rechtsradikalen »Gegenöffentlichkeiten« seine so nicht vorgesehene »Wiederauferstehung« zu feiern. Enzensbergers Vorschläge zur Umkehrung der traditionellen Sender-Empfänger-Situation scheinen sich mit Hilfe der neuen interaktiven Medien zu realisieren, ohne daß sich seine Hoffnungen auf eine gesellschaftliche »subversive Praxis« bestätigen oder gar einstellen würden. Das Buch gibt Antworten auf die folgenden Fragen des Herausgebers an die Autoren:
– Welche der drei Modelle halten Sie heute noch für zeitgemäß? Welches Konzept hat sich realisiert und in welcher Form? Was davon könnte Ihrer Meinung nach positiv genutzt, was verabschiedet werden?
– Wie beurteilen Sie die durch elektronische Medien umgestaltete »bürgerliche Öffentlichkeit«? Führen »entfesselte Öffentlichkeiten« tatsächlich zu einer »Vitalisierung von Öffentlichkeit«, zur »Pluralisierung von Meinungsbildung«, zu vermehrter »Partizipation an Entscheidungsprozessen« und damit zu mehr »Möglichkeiten der Emanzipation«? Könnte eine »permanente Belagerung« der Machtsysteme Politik und Ökonomie durch eine vollständig politisierte Öffentlichkeit den erhofften Erfolg bringen? Und welche Konsequenzen ergäben sich daraus für eine evt. erst noch »zu schaffende Demokratie«?
– Welche Medien-Strategien wären erforderlich, um den bloßen Interpreten- oder Konsumentenstandpunkt zu verlassen? Welche Rolle könnten dabei Cyberpunks, die neuen Nomaden des telematischen Raumes, spielen? Gibt es Anzeichen auf die Heraufkunft einer »technischen Guerilla«?
– Welche neuen Erfahrungs- bzw. Wahrnehmungsräume liefern maschinell bestückte Medien-Welten für den Umgang mit politischen Öffentlichkeiten? Bieten sie tatsächlich neue Möglichkeitsfelder interaktiver und damit partizipatorischer Praxis, von denen die politischen Demokratisierungsbewegungen von jeher träumen?
– Lassen sich die Menschen überhaupt aus ihrer angestammten (passiven) Konsumentenrolle drängen und in eine solche »universelle Interaktionsmaschine« einspannen? Oder verbergen sich hinter diesen Versprechungen nur geschickt getarnte ökonomische Machtinteressen?

Inhalt

Rudolf Maresch: Mediatisierung: Dispositiv der Öffentlichkeit 1800/2000
Oskar Negt: Gegenöffentlichkeit und Erfahrung. Über die Krisis in der Arbeitsweise linker Medien heute
Wolfgang Hagen: Mediendialektik. Zur Archäologie eines Scheiterns
Ulrich Rödel: Mediatisierte Öffentlichkeiten – Ist die Zvilgesellschaft noch zu retten?
Norbert Bolz: Weltkommunikation. Über die Öffentlichkeit der Werbung
Dirk Baecker: Oszillierende Öffentlichkeit
Bernhard Siegert: Es gibt keine Massenmedien
Florian Rötzer: Interaktion – das Ende herkömmlicher Massenmedien
Derrick de Kerckhove: Jenseits des Globalen Dorfes. Infragestellen der Öffentlichkeit
Bernhard J. Dotzler: Voyeur, Saboteur – entmachtete Zuschauer
Wulf R. Halbach: Virtualität und Ereignisse
Niels Werber: Technologien der Macht. Mit Kittler und Luhmann über Kafkas Analyse von Medien und Macht
Michael Sontheimer – Rudolf Maresch: In der selbstreferentiellen Medienwelt den Kontakt zur Szene verloren
Frank Schirrmacher – Rudolf Maresch: Ausnahme der Regel sein
Radio Patapoe: Besser bestehen gegen eine junge Welt
Ingeborg Villinger: Wo liegt Berlin?
Peter M. Spangenberg: Komplexitätsebenen moderner Öffentlichkeit. Über die mediale Emergenz kommunikativer Wirklichkeitskonstruktion und ihre Verfremdung durch technische Visualisierung
Thomas Schmitt – Hubert Winkels – Rudolf Maresch: Den Totentanz der Television parodieren
Avital Ronell: Video, Fernsehen, Rodney King. Zwölf Schritte Jenseits des Lustprinzips
Manfred Faßler: Öffentlichkeiten im Interface
Vivian Sobchack: Demokratisches »Franchises« und die elektronische Grenze
Amy S. Bruckman: Gender Swapping auf dem Internet
Robert Adrian: Infobahn Blues
Dietmar Kamper: Medienimmanenz und transzendentale Körperlichkeit. Acht Merkposten für eine postmediale Zukunft
Agentur Bilwet: The digital society and its enemies
Theo Roos: Rauheit des Realen. Short Cuts
Axel Matthes: Nichts von Vornherein!
Walter Seitter – Rudolf Maresch: Die Unentrinnbarkeit des Politischen. Über das Politische, die Macht und die Medien

Zum Herausgeber und Autor

Rudolf Maresch, Sozialwissenschaftler und Pädagoge, arbeitet als Lehrer in Regensburg.

 

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