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Cyberspace
Zum medialen Gesamtkunstwerk

Herausgegeben von Florian Rötzer
und Peter Weibel

328 Seiten, Broschur
Euro 24,00; SFr 44,50
ISBN 3-924963-66-5

 

Diskussionsforum über die neue virtuelle Realität der Computer mit Philosophen und Informatikspezialisten


Kurzdarstellung

Über Cyberspace ist in den letzten Jahren viel geschrieben und diskutiert worden. Veranstaltungen und Ausstellungen zu diesem Thema häufen sich. Die Faszination an dieser sprichwörtlichen Science-Fiction-Technik wird geringer durch die Bekanntschaft mit ihr. Gewöhnung stellt sich ein, die eine gute Ausgangsbasis für eine sachliche Auseinandersetzung über die Möglichkeiten und Konsequenzen einer neuen Technologie ist, die im Falle der VR-Systeme sich deutlich als solche eines Übergangs zeigt und aufgeladen ist von einer ersten, wenn auch noch unvollkommenen, so doch schon weitgehenden audiovisuellen Objektivierung virtueller Realität, deren Begriff nun in aller Munde ist und dabei viel extensiver gebraucht wird. Revolutionär ist nicht die Konstruktion künstlicher Welten, sondern die Möglichkeit, in sie einzutreten, also die normale Situation des passiven oder auch manipulativ eingreifenden äußeren Beobachters insoweit zu verändern, als dieser nun die künstlichen Welten von innen und als Teil ihrer beobachtet. Das eben hat weitreichende Konsequenzen, die unser Verständnis von Wissenschaft und Kunst beeinflussen werden, denn das Interface zwischen Mensch und künstlicher Wirklichkeit verschwindet dabei tendenziell für dessen Bewußtsein. Dabei deuten sich übrigens Kooperationsmodelle zwischen Kunst und Wissenschaft an, die versprechen, spannend zu werden. In den zeitgenössischen Erkenntnistheorien sind die Folgen des veränderten Beobachters Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Für die Künste wird die Interaktion von Kunstwerk und Zuschauer, der in die Szene als Mitakteur integriert wird, zu einer neuen Herausforderung.

Inhalt

Florian Rötzer: Einleitung
Peter Weibel: Virtuelle Realität oder der Endo-Zugang zur Elektronik
Siegfried Zielinski: Expanded Reality
Vilém Flusser: Vom Virtuellen
Otto E. Rössler: Ein künstliches kognitives Map-System
Florian Rötzer: Virtuelle und reale Welten
Oswald Wiener: der bio-adapter
Marvin Minsky: Alles ist mechanisierbar
Warren Robinett: Auf der Suche nach umfassender Erfahrung
Timothy Leary: Die Macht des Individuums durch elektronische Wirklichkeiten erweitern
John Eyles: Virtuelle Welten
Robert Jacobson: Televirtualität. »Da-Sein« im einundzwanzigsten Jahrhundert
David Sturman: Was sollen wir tun mit unseren Händen?
Jonathan D. Waldern: Virtualität – Die erste Workstation zur Erzeugung virtueller Realität
Peter Schröder: Virtuelle Realität – Ein langer Marsch
Erich Kiefer: Leonardos Traum. Auf dem Weg zum intelligenten virtuellen Realitätssystem
Otto E. Rössler: Ist die Welt eine virtuelle Realität?
Paul Virilio: Das letzte Vehikel
Jean Baudrillard: Der Xerox und das Unendliche
Hinderik M. Emrich: Cyberspace – Künstliche Realitäten und Psychodelikgenese
Myron W. Krueger: Kunstgeschichte der künstlichen Realität
Ann Lasko-Harvill: Identität und Maske in der virtuellen Realität
Jeffrey Shaw: Reisen in virtuelle Realitäten
Jürgen Brickmann: Über den Umgang mit virtuellen Szenarien, die weit von der Realität entfernt sind
Edmont Couchot: Zwischen Reellem und Virtuellem. Die Kunst der Hybridation
Fred Forest: Thematisierung des Zeit-Raums als kritische Praxis
Louis Bec: Über das »Wiederflottgemachte«

Zu den Herausgebern

(Stand: 1991)

Florian Rötzer, geb. 1953, lebt als freier Autor in München. Veröffentlichungen (als Hrsg.) u.a.: Französische Philosophen im Gespräch, München 1986; Bildwelten – Denkbilder (mit O. van de Loo und H. M. Bachmayer), München 1987; Denken, das an der Zeit ist, Frankfurt 1987; Ästhetik des Immateriellen. Kunst und Neue Technologien, Kunstforum Bd. 97 (1988) und Bd. 98 (1989); Kunst und Philosophie, Kunstforum Bd. 100 (1989); Kunst machen? Gespräche und Essays (mit S. Rogenhofer), München 1990; Digitaler Schein, Frankfurt 1991; Strategien des Scheins. Kunst – Computer – Medien. (mit P. Weibel), München 1991; Künstlergruppen: ein Phänomen moderner Kunst, Kunstforum Bd. (1991); Philosophen-Gespräche zur Kunst, München 1991

Peter Weibel, geb. 1945, Medienkünstler und -theoretiker, Direktor des Instituts für Neue Medien an der Städelschule in Frankfurt. Veröffentlichungen u.a.: Bildkompendium Wiener Aktionismus und Film (mit Valie Export), Frankfurt 1970; Kritik der Kunst – Kunst der Kritik, Wien 1973; Studien zur Theorie der Automaten (mit F. Kaltenbeck), München 1974; Fotopolitik (mit G. Rambow), Frankfurt 1979; Mediendichtung, Wien 1982; Im Bauch des Biestes: Logokultur, Wien 1987; Die Beschleunigung der Bilder, Bern 1987; Im Netz der Systeme (Hrsg. mit G. J. Lischka ), Kunstforum Bd. 103, 1989; Virtuelle Welten (Hrsg. mit G. Hattinger ), Linz 1990; Strategien des Scheins. Kunst – Computer – Medien, (Hrsg. mit F. Rötzer), München 1991

Pressestimmen

Die c't schreibt:
... Der Band versammelt Aufsätze, die als Referate zu dieser Thematik im April 1991 im Deutschen Museum München gehalten wurden. Über zwei Dutzend Autoren haben Stellung bezogen, darunter finden sich Beiträge prominenter Autoren, etwa des Soziologen Jean Baudrillard, des Schriftstellers Oswald Wiener, des Psychiaters Hinderik M. Emrich, des Philosophen Vilém Flusser sowie des Medienkünstlers Myron W. Krueger. Zudem kommen im Gespräch mit den Herausgebern der durch LSD-Experimente bekanntgewordene Psychologe Timothy Leary und KI-Altmeister Marvin Minsky zu Wort. Aber auch die eigentlichen Konstrukteure, die mit VR befaßten Programmierer, fehlen nicht, stellvertretend argumentieren hier die Computerwissenschaftler John Eyles, David J. Sturman oder Jonathan D. Waldern. Jeder Beitrag steht für sich, hat seine eigene spezifische Aussage. Die zugrundeliegende Technik wird beschrieben, der interdisziplinäre Zusammenhang verdeutlicht, ebenso Gegensätzliches augenfällig. Aus den verschiedensten Perspektiven wird »der Geburtsvorgang eines integrierten Systems, das wahrnehmen und handeln kann« (Krueger) kommentiert und bewertet.

Ästhetik und Kommunikation:
... die Breite der versammelten Aufsätze und ihre Eigenständigkeit eröffnet dem Leser alle Möglichkeiten, seine eigenen Verbindungen zwischen den Diskursen herzustellen. Vielleicht ist ja die Aufsatzsammlung selbst das Gesamtkunstwerk.

 

Reihen:

 

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